Pränataldiagnostik | „Gott spielen“ für Anfänger

Pränataldiagnostik | „Gott spielen“ für Anfänger

Heute möchte ich zur Abwechslung mal ein etwas ernsteres Thema in Sachen „Schwangerschaft“ ansprechen.. ein Thema, über das man sich zwangsweise schon hie und da mal Gedanken macht, ab einem gewissen Alter…auch ohne, dass eine Schwangerschaft besteht oder in näherer Zukunft geplant ist. Geht es um Pränataldiagnostik, muss man sich manchmal schon fragen, ob wir damit nicht vielleicht sogar ein bisschen zu weit gehen.

Früher, so, als wir noch weit entfernt vom Kinderkriegen waren, waren andere unserer Freunde schon mittendrin und wir teilweise „hautnah“ dabei – aber doch nur ansatzweise… Vor ein paar Jahren, beispielsweise, haben wir bei einem befreundeten Pärchen mitbekommen wie viel Stress, Zweifel und Angst ein „schlecht“ ausgefallener Combined Test und eine daraus resultierende Fruchtwasseruntersuchung verursachen kann. (Am Schluss war da dann übrigens alles gut!) – Schon da beginnst du dir Gedanken zu machen… „Wie würde ich handeln?“. Soviel sei gesagt… die Gedanken kann man sich machen wie man möchte… ist man dann erst selbt in der Situation erscheint alles in einem ganz anderen Licht. Eh klar… wie immer :)

Pränataldiagnostik
© Banana Stock / RYF

Pränataldiagnostik – heute kann man im Vorhinein schon fast alles erfahren, aber will man das überhaupt?

Der Combined Test – oder auch „Nackenfaltenmessung“ genannt: Zwischen Schwangerschaftswoche 11 und 14, einer Zeit in der man die Schwangerschaft vielleicht noch nicht mal großartig mit seiner Umwelt geteilt hat, muss man schon das erste Mal die Entscheidung treffen ob man sich auf die üblichen Kontrollen beim Frauenarzt und darauf, dass sowieso alles gut wird verlassen möchte oder man nicht vielleicht doch einen Schritt weiter geht um sich dann erst nur auf Wahrscheinlichkeiten zu verlassen.
Im Rahmen dieser nicht-invasiven Untersuchung, die Kosten für Pränataldiagnostik sind meist selbst zu tragen (außer, offenbar im AKH Wien, wie ich von einer Freundin weiß), wird zuerst Blut abgenommen und anschließend die Nackentransparenz per Ultraschall gemessen. Auf das Ergebnis heißt es dann erst mal warten, da ja so Blutwerte immer dauern… da hat man dann schwarz auf weiß stehen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dein Kind einen Gendefekt hat. Eine Wahrscheinlichkeit!

Die Entscheidung ob wir den Combined Test durchführen lassen, war für mich die schwierigste in der Schwangerschaft bisher.

Es mag grausam erscheinen, aber mein Mann und ich waren uns einig, dass wir ein behindertes Kind vermutlich abtreiben würden. Das hat nichts damit zu tun, dass wir es weniger lieben würden oder dergleichen… sondern mehr mit der Tatsache, dass wir vermutlich überfordert wären. Schon klar… passieren kann immer was, auch später in der Schwangerschaft, bei der Geburt oder wenn der Nachwuchs schon volljährig ist, aber darauf hab ich JETZT weder Einfluss, noch kann ich etwas dagegen tun. Ohne ins Detail zu gehen, ich habe behinderte Kinder in meinem Bekanntenkreis und ich zolle den Eltern und auch den Geschwistern größten Respekt! Ich habe oft Situationen miterlebt, wo ich mich gefragt habe, ob ich das „druckt hätte“ und entschieden hab, eher nicht. Wenn ich müsste, vermutlich aber schon… aber ich bin ein Feigling. Und wenn ich es verhindern kann, dann muss ich offen und ehrlich sagen: lieber nicht.

Nun sagt dir der Test aber nicht: dein Kind wird behindert, punkt. Er sagt dir, wie hoch die Wahrscheinlichkeit aufgrund der Nackentransparenz, der Blutwerte, deines Alters, deiner Herkunft und deines Lebenswandels ist. Und das heißt noch nicht viel. Sollte die Wahrscheinlichkeit hoch sein, kann man das Ergebnis mit einer Fruchtwasserpunktion nochmal abklären. Und da wirds kritisch. Das ist dann nämlich schon ein invasiver Eingriff und das Risiko den Fötus dabei zu verlieren beträgt immerhin 1:100. Ob der Fötus nun krank ist oder gesund, ist da irrelevant.

Entschieden hat schlussendlich der Hase, dass wir den Test machen, ich wollte ja erst später dann das Organscreening machen, weil ich der Meinung war, das wäre immerhin aussagekräftiger und im Notfall könnte man dann ja noch immer… (heute muss ich sagen: nein, ich könnte nimmer!!!)… die Angst, die ich durchgestanden habe… „Was, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist? Ab wann ist die Wahrscheinlichkeit hoch? Mache ich dann auch eine Amniozentese? Und dann bring ich damit gach ein gesundes Baby um?“… jetzt, da alle Ergebnisse gut waren, bin ich froh darüber, den Test gemacht zu haben.

Ist diese Hürde geschafft, ist das Organscreenig eher nur noch „Babywatching“

Ging es beim Combined Test noch um massive Behinderung, erscheint einem das Organscreening, welches man zwischen 20. und 24. Schwangerschaftswoche macht, eigentlich wie ein Kinderspiel. Beim Organscreening werden nicht nur Kopfumfang und Größe des Bauches sowie Oberschenkels gemessen, sondern auch die Position der Plazenta bestimmt sowie das Skelett und die wichtigsten Organe des Babys untersucht. So kann man hier zum Beispiel schon einen offenen Rücken, eine Gaumenspalte oder auch ein potentieller Herzfehler erkannt werden. Gerade das war für mich ein absolutes Argument… Wenn wir das heutzutage schon können, warum dann nicht bereits bei der Geburt schon darauf vorbereitet sein! Wie viele Babies konnten wohl schon gerettet werden, weil man bei der Entbindung bereits darauf vorbereitet war, dass es spezielle Versorgung oder evtl. sogar eine OP braucht. Und Angst hatte ich da auch keine… irgendwie war da, nach einem positiv ausgefallenem Combined Test der Gedanke vorherrschend, dass alles, was jetzt noch kommen kann nicht so schlimm sein kann.

Außerdem ist es einfach cool. Also echt jetzt :D Ultraschall ist ja immer irgendwie witzig… Zwischen den normalen US-Untersuchungen vergehen, wenn es keine Komplikationen gibt, gut und gerne 4-6 Wochen in denen du dich mal mehr, mal minder schwanger fühlst, in der Frühschwangerschaft noch nicht mal groß was von deinem Baby spürst und plötzlich siehst du es da am TV strampeln… Das ist echt immer wieder faszinierend… und was man da schon alles sieht!!!! Ich hab letztens mal ein Ultraschallbild von vor knapp 30 Jahren gesehen… da würde ich nicht mal erkennen, dass da was drin ist ^^

Da das Organscreening schon so seine Zeit dauert, kann es schon ein paar witzige Aktionen zu sehen geben… Unseres hat am Daumen gelutscht, da war ich tatsächlich ein bisschen weniger rabenschwanger, weil so lieb… Und das genialste am Organscreening: wenn das Baby gut liegt (war bei uns eine schwere Geburt), kann man sogar ein 3D-Bild erstellen… Echt, da zieht es dir die Socken aus!

Pränataldiagnostik Organscreening
© Shutterstock, Phil Jones

Früher – früher gabs das alles nicht…

Für die Generationen Eltern+ muss das teilweise absurd anmuten… ein bisschen beneidenswert, wenn ich mir denke, dass ich mir die Gedanken die ich mir (unnötigerweise) zum Combined Test gemacht habe. Aber: wir sind nun mal 2015 schwanger und nicht 1980 und ich bin dankbar dafür, wie weit die Medizin heute ist… ich bin dankbar dafür, dass wir regelmäßig überprüfen müssen und dürfen wie es dem Nachwuchs geht und wie meine Blutwerte sind und ich bin dankbar dafür, dass mir all diese Dinge eine relativ entspannte Schwangerschaft bescheren.

Denn, ich muss das eigentlich nicht alles wissen… aber DASS ich es weiß ist unheimlich beruhigend.

Und die Omas+Opas 2 be haben sich auch gefreut ein „Foto“ ihres Enkels zu sehen ♥

Wie gehts euch da so… seh das nur ich so zwiespältig mit der Pränataldiagnostik? Und: hat da jemand vielleicht ein Wort dafür, das leichter von den Lippen geht?

xoxo
Mitzia

Print Friendly, PDF & Email
Nächster Artikel
Voriger Artikel

Kommentar verfassen